CharlesBerthouzoz, La mort brute, Der raue Tod

Charles Berthouzoz
La mort brute       Der raue Tod
Texte

Fadengeheftete Klappenbroschur, 228 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Ins Deutsche übertragen von Marlies Ammann
Umschlagentwurf: Katja Schicht
ISBN 978-3-906061-12-2
28 Franken, 23 Euro
Juni 2017
Leseprobe

Der Autor
Charles Berthouzoz

Von 1991 bis 2000 war Charles Berthouzoz in zwei Westschweizer Bestattungsinstituten angestellt und hat für jene Würde gesorgt, die den Schrecken vor der eigenen Endlichkeit etwas dämpft. Davon lesen wir in seinen Texten aus dem Alltag eines Bestatters. Wir sind dabei, wenn eine Witwe zum offenen Grab geleitet wird, wo bereits die Geliebten des Verstorbenen stehen, als seien sie einer Szene aus einem alten französischen Film entsprungen; wir ballen mit dem verzweifelten Vater die Faust, dem mitgeteilt wird, am Wochenende sei die Gerichtsmedizin geschlossen, er könne seinen tödlich verunglückten Sohn nicht sehen.
All die Schicksale erschließen sich uns dank Berthouzoz' Gespür für die Macht der Sprache. Kurze, rhythmische Sätze waren eines seiner bevorzugten Stilmittel. Daneben beherrschte er die Kunst der Aussparung, mit der er uns Freiräume schafft und zugleich unsere Einbildungskraft aktiviert. Das ist Literatur, das macht Literatur aus.
Katharina Kienholz

Entre 1991 et 2000, Charles Berthouzoz a été employé des pompes funèbres en Suisse romande et s'est occupé de cette dignité qui apaise les peurs face à la finitude de la vie. Ses textes nous livrent le quotidien d'un ordonnateur. Dans une scène tout droit sortie d'un vieux film français, nous suivons une veuve jusqu'à la tombe ouverte de son défunt mari autour de laquelle sont déjà rassemblées ses maîtresses. Nous serrons les poings quand un père désespéré se voit expliqué qu'il ne peut pas voir son fils mort dans un accident parce que l'institut médico-légal est fermé le week-end.
Ces destins tragiques se révèlent à nous grâce au sens aigu qu'avait Berthouzoz du pouvoir des mots. Il avait une prédilection pour les phrases courtes, rythmées. Sa maîtrise de l'ellipse nous offre des espaces de liberté et en appelle à notre imagination. Tout l'art de la littérature.
Katharina Kienholz
Traduction: Raphaëlle Lacord

»Der Lyriker Charles Berthouzoz hat während rund zehn Jahren für ein Bestattungsunternehmen gearbeitet. Was er in der Zeit erlebte, hielt er in berührenden, hinreißenden Gedichten fest.
›Der Tod bleibt sich immer gleich, doch jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod.‹ Mit diesem unvergesslichen Satz beginnt der Roman ›Uhr ohne Zeiger‹ von Carson McCullers. Der Satz könnte auch über den Notaten und Gedichten von Charles Berthouzoz stehen. 1944 im Wallis geboren, 2013 in Salento gestorben, studierte Berthouzoz Theologie in Sion und in Fribourg und wirkte zunächst, von 1971 bis 1976, als Vikar in Nendaz und von 1976 bis 1990 als Pfarrer in der Gemeinde von Val-d'Illiez. Dann wandte sich der leidenschaftliche Seelsorger von seiner Tätigkeit ab und suchte etwas Neues: Während zehn Jahren arbeitete er danach als ›consultant funéraire‹, als ›beratender Bestatter‹, bei einer großen Bestattungsfirma in Lausanne und Genf.
In dieser Zeit begann Berthouzoz, seine Erfahrungen mit sterbenden Menschen festzuhalten. Es sind meist kurze Aufzeichnungen, Gedichte, Aperçus, kleine Schlenker, und hintereinander gelesen ergeben sie so etwas wie einen literarischen Totentanz. 1999 sind die Gedichte erstmals erschienen, herausgegeben vom Musée d'ethnographie in Genf. 2014 hat Alberto Nessi sie ins Italienische übertragen, und nun liegen sie, in der sorgfältigen Übertragung von Marlies Ammann, auch in einer deutschen Fassung vor. Die schöne Edition im Verlag Pudelundpinscher präsentiert die Texte zweisprachig.
Es sind schonungslose, aber keineswegs trostlose Texte, die im Band ›Der raue Tod‹ versammelt sind. Sie evozieren Momente aus dem Alltag von Menschen, die mit Sterbenden und eben Gestorbenen zu tun haben, und erinnern zugleich an die allgegenwärtige Macht des Todes. Der theologisch geschulte Bestatter schützt sich nie mit kühler Attitüde, gar mit Abgebrühtheit, er rettet sich auch nicht ins Gegenteil, sondern sucht sich einen Weg, den nur die Sprache bieten kann, und wählt hier die Form des Gedichtes und des knappen Notats. […]«
Martin Zingg in der »Neuen Zürcher Zeitung« vom 26.8.2017
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»Eine große Sanftmut und Gelassenheit kommt mir aus den Texten, aus der Prosalyrik des broschierten, sehr ansprechend gestalteten Buches entgegen …«
Judith Stamm
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»Das Äußere dieses Buches mit der zarten Gestalt eines Vogels auf lindengrünem Umschlag und dem Titel La mort brute – Der raue Tod verspricht schon Gegensätzliches: Der 2013 verstorbene Walliser Theologe und Gastwirt Charles Berthouzoz beschäftigt sich in den ursprünglich auf Französisch, dann 2014 zweisprachig Französisch/Italienisch und 2017 bei pudelundpinscher auf Französisch/Deutsch erschienenen Texten mit den Widersprüchlichkeiten am Ende des Lebens, mit den Geheimnissen der Toten, den Gefühlen der Hinterbliebenen, mit dem Tod selbst und somit sehr intensiv auch mit dem Leben. Als interessante und nuancenreiche Ergänzung erweist sich dabei die Gegenüberstellung des französischen Originaltextes mit der deutschen Übersetzung von Marlies Ammann: Die beiden Sprachen beleuchten die Szenen in ihren jeweils eigenen Stimmungen und ihr Nebeneinander vermag die Wirkung der düster bis heiteren, empathisch bis ironischen Texte teilweise noch zu verstärken. […]«
Monique Obertin in »orte – Schweizer Literaturzeitschrift«, Nr. 196, Mai 2018


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